Muttertag

Sang- und klanglos würde der Muttertag wie ein ganz gewöhnlicher Sonntag vorüberziehen – ohne Blumen, ohne „Mami ist die Beste“-Sprüche und sonstigen Krampf. Schließlich kann man den „Feiertag zu Ehren der Mutter und der Mutterschaft“ (Wikipedia) geflissentlich ignorieren, wenn man selbst auf den ganzen Klimbim keinen Wert legt. Es gibt ja keine Feierpflicht. Wäre da nicht die Schule! Im Unterricht wird im Vorfeld nämlich pflichtbewusst auf den großen Tag hingearbeitet. Diesmal wurden die Söhne und Töchter angeleitet, ein Herz aus rotem Karton auszuschneiden und es mit folgendem Textbaustein zu versehen:

Liebe Mama! Ich wünsche dir einen schönen Muttertag. Danke, dass es dich gibt. Vielen Dank, dass du so viel für mich machst. Deshalb schenke ich dir einen freien Wunsch. Ich hab dich lieb. Dein (Unterschrift)

Neun hat seinen Namen darunter gesetzt und Sieben, der mit leeren Händen dastand (weil er sich im Unterricht entweder geweigert, das Herz unterwegs verloren oder eine Lehrerin ohne zweckgebundenen Bastel-Komplex hat) mit unterschreiben lassen. Womöglich mit dem Hintergedanken, durch das Teilen des Geschenks auch die Erfüllung des anstehenden Mutterwunschs halbieren zu können. (?!)

Bei der Übergabe des zusammengerollten Pappherzens waren alle Beteiligten etwas peinlich berührt. Auflockerung verschaffte eine dem Geschenk beigefügte Wunderkerze. Anschließend war die Sache vom Tisch. Der „freie Wunsch“, den die liebe Mama äußern darf, wird den Kindern im Zuge des Muttertagignorierens erspart bleiben. Ihr Zimmer sollen sie gefälligst auch ohne Einlösung eines Gutschein aufräumen.

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8 Kommentare

Eingeordnet unter Familie

8 Antworten zu “Muttertag

  1. In solchen Momenten bin ich dankbar, keine Kinder zu haben. So wird ihnen diese Grauselichkeit der Peinlichkeit und des grässlichen Bastelns erspart.

  2. andrea

    :-) so ähnlich war es bei uns auch. ich persönlich ignoriere solche tage wie etwa valentinstag und auch muttertag komplett. dies habe ich auch den kindern ausführlich erklärt. doch die schule macht einen strich durch die rechnung und ich habe zwei lesezeichen bekommen, mit ähnlichem text wie oben nur ohne den freien wunsch, das nimmt dem ganzen wenigstens ein bisschen die fahrt…

  3. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die eine oder andere Lehrerin die Muttertagsbasteleien nur notgedrungen und mit einer Portion Widerwillen auf den Stundenplan nimmt… Das ist schon alles ziemlich absurd!! Auf der anderen Seite gibt es aber vermutlich auch eine nicht unerhebliche Anzahl Mütter, die entsetzt wären, wenn ihre lieben Kleinen in der Schule nicht angehalten würden, derlei Heuchelwerk mit Standardgeschreibsel zusammenzubasteln.

  4. Dagmar

    Keine Sorge, das geht vorbei. ;-)
    Meine ist jetzt in der 7. Klasse, da ist der ganze Zauber längst Legende. Worüber dann vermutlich alle Beteiligten froh sind.
    Ich habe mir am Sonntag gewünscht, dass das Kind zum Bäcker geht und mir nachmittags beim Unkraut ausbuddeln hilft. So war’s ein prima Muttertag.

  5. Ulli Irgendwas

    … und dabei sind die klitzekleinen Gesten, die für uns so groß sind…. nicht nur am Muttertag!! :-)

  6. Mir gefällt, die Haltung (<schwieriges Wort), mit der Du hier im Blog über das Themenfeld "Familie" schreibst.

  7. @ Katja: Das freut mich. Sicherlich werden noch einige kommen, Familiengeschichten aus Beyond Offenbach, da kann ich mich gar nicht dagegen wehren.
    @Ulli: Erst recht nicht am Muttertag.
    @Dagmar: … okay, das heißt dann für uns noch 3 bzw. 5 Jahre peinlich berührte Muttertagsmomente…

  8. Update 2012:

    Diesmal ist es der kleine Bruder, der kombiniert mit Basteleien, ein Gedicht in Händen hält. Die Blumendekoration am Rand des DIN A4-Papiers ist vorgedruckt und wurde (wie es aussieht lustlos) ausgemalt. In der Mitte ist handschriftlich eines der typischen Muttertagsgedichte platziert. „Mama, das musste ich abschreiben“, wird mir versichert. Ich schaue mir die Seite an und freue mich. Die Schrift wird besser und besser, denke ich, als Schreibübung ist so ein Text gar nicht so übel. Und Grund gemeinsam zu lachen, bietet er auch.

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