Heimvorteil

Wenn vor zehn Jahren jemand zu mir gesagt hätte, dass ich in meinem Leben einmal viel Zeit auf Fußballplätzen des Offenbacher Landkreises verbringen würde, hätte ich lächelnd den Kopf geschüttelt und mir mit dem Zeigefinger an die Stirn getippt. Und jetzt ist genau das eingetreten. Ich wohne wieder auf dem Land. Ich habe zwei Söhne. Und die haben eine Leidenschaft fürs runde Leder. Nach langen Jahren des Kickens auf dem Schulhof und auf dem nahe gelegenen Bolzplatz spielen nun beide „richtig“ Fußball – im Verein. Das bedeutet nicht nur Training von Montag bis Freitag sondern Wochenenden auf dem Fußballplatz. Jeden Samstag finden die offiziellen Tabellenspiele der Jugend-Mannschaften statt, im Wechsel auswärts oder zu Hause.

Und weil wir den Slogan unseres Heimatvereins „Rot-Weiß schlägt unser Herz“ mittlerweile verinnerlicht haben, treibt es uns neuerdings sogar am Sonntag auf den Fußballplatz. So wie am vergangenen. Da traten die dritte, zweite und erste Herrenmannschaft direkt nacheinander gegen ihre Gegner an an. Bei frühlingshaften Temperaturen waren allerhand Zuschauer gekommen. Und alles, was sonst  dazu gehört, gibt es auch hier: Kaffee, Bier und Stadionwurst. Stadionsprecher. Spielerfrauen. Pöbelnde Fans. Sprechchöre. Hasstiraden gegen den Schiedsrichter. Schmerzverzerrte Gesichter. Sanitäter. Siegerposen. Handgemenge. Das ganze Drama eben. Genau wie in der großen Arena. Und so wie dort nehmen bei steigendem Alkoholpegel die Beschimpfungen zu und das Niveau deutlich ab. Das Gute: In diesem Fall ist man in fünf Minuten zu Hause. Ein ganz entscheidender Heimvorteil!

Mit dem Flutlicht kam der Auftritt von Kult-Keeper Albert, den die erste Mannschaft sich von den Altherren ausgeliehen hatte. Jede Ballberührung, und sei sie noch so harmlos, versetzte das Publikum in rasende Begeisterung.

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8 Kommentare

Eingeordnet unter Familie, Gesellschaft

8 Antworten zu “Heimvorteil

  1. Aber … aber da muß der Gleichstellungsbeauftragte nochmal ran! *fußstampf*

  2. … ja, ja, so ganz gerecht ist es nicht, dass Frauen keinen Eintritt zahlen. Schüler, Rentner und Studenten dagegen schon… Aber sieh‘ es doch mal so: Bei uns auf dem Land ist auch Sonntagmittag Ladies Night :-)

  3. … nicht die Qualität ist entscheidend. Es ist die Leidenschaft. Und davon gibts auch auf dem Dorfplatz ausreichend. Auf dem Platz, auf der Betontribüne. Kann es schöneres geben als 100%?

  4. Claudia

    …die Mehrheit der Fussballliebhaber sind wohl eher Männer und wenn die Frauen Eintritt zahlen müssten, würden sich wohl einige dort nicht blicken lassen…Und das ist halt mal ein kleiner Ausgleich dafür, dass Frauen im Berufsleben oft benachteilt sind. Ich wohne allerdings auch auf dem Lande, habe aber leider keiner Begünstigungen für Frauen hier festgestellt…bei mir gibt es nicht mal Nachts Ladies Night….

  5. Claudia

    keine Begünstigungen..sorry…kann man seine Beiträge hier auch wieder löschen bzw. nach dem Abschicken berichtigen?

  6. Claudia, du hast ePost von mir…

  7. Mein Großer spielt nun auch schon ein paar Jährchen im Verein Fußball, aber Begeisterung will bei mir immer noch nicht recht aufkommen. Ab und zu schaue ich beim Spiel zu, damit er nicht das Gefühl hat, es würde mich grundsätzlich nicht interessieren.
    Fußball läuft bei uns – Sky sei dank – fast pausenlos im TV, das reicht.

  8. Ja, ich bin froh, dass ich für den Sport und das Vereinsleben Begeisterung entwickelt habe. Eine große Rolle spielt, dass es einfach schön ist, zu erleben wie begeistert die Kinder sind. Mit Leib und Seele sind sie dabei. Und dann diese Ernsthaftigkeit gegenüber dem Sport an sich. Neun liest jeden Morgen den Sportteil, steckt beinahe täglich gewissenhaft die Tabelle um und ist dank regelmäßiger „Kicker“-Lektüre jetzt schon eine kleines Fußball-Orakel. Sieben nimmt seinen Trainer zehnmal ernster als seine Lehrerin.

    Fernsehen im TV kann ich dagegen auch nicht so viel abgewinnen. Spiele der Nationalmannschaft sehe ich gerne. Und bei einer WM oder EM kann ich auch mitfiebern. Aber jedes einzelne Bundesliga-Spiel? Da würde ich verrückt werden.

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