Die Qual der Schulwahl

„Die bevorstehende Entscheidung, welche weiterführende Schule am besten geeignet ist für unser Kind, und die damit verbundene Suche nach Informationen durch Schulbesichtigungen, Broschüren und Gespräche mit Lehrern, Eltern, Schülern, ehemaligen Schülern okkupiert mein Hirn (und meine Seele) derzeit vollends. Dazu breitet sich Angst vor einer Fehlentscheidung aus, die mir wahrhaftig auf den Magen schlägt.“

 

Diese heute auf meinem Facebook-Profil veröffentlichte Statusmeldung beschreibt in der Kurzfassung mein Befinden. Es wird täglich schlimmer. Wahrscheinlich deshalb, weil die Informationsveranstaltungen in den drei nahe gelegenen Schulen nun alle hinter uns liegen und es jede Menge Eindrücke, aber keine klare Tendenz gibt. Da ist die Schule mit dem besten Ruf, die die Elite von morgen ausbilden will – auch wenn das so direkt nicht gesagt wird – die allerdings extreme Lernbereitschaft und Eigeninitiative voraussetzt (die Neun nicht so recht aufbringen mag). Da ist die andere, die basisdemokratische Schule, bei der individuelle Entwicklung im Vordergrund steht (was gut für Neun wäre), jedoch zu befürchten ist, dass vor lauter Kindsfindung der Stoff vernachlässigt wird. Und dann gibt es doch jene Schule, die irgendwas in der Mitte repräsentiert, dabei so mittelmäßig und uninspiriert wirkt, dass sie gar keinen Eindruck hinterlässt.

Ich hätte nicht gedacht, dass die Entscheidung mich so stark belasten würde. Wir haben uns um Neun, abgesehen von seiner Unorganisiertheit, bislang nie große Sorgen machen müssen – zumindest nicht ernsthaft was das Mitkommen im Unterricht angeht. Erst jetzt, da das Zeugnis der vierten Klasse ausschlaggebend für das Weiterkommen ist, fängt es an. Ausgerechnet jetzt hapert es mit den Leistungen. Also macht man sich Sorgen. Sorgen um das restliche Schuljahr und um den bevorstehenden Wechsel gleichermaßen. Die Angst regiert. Angst ist bekanntlich kein guter Ratgeber. Ich möchte mich beruhigen, wieder lockerer werden. Und je mehr ich mich darum bemühe, umso angespannter werde ich. Mal sehen, wie das in den nächsten Wochen weitergeht bis Ende Februar der „schriftliche Antrag über die Wahl des Bildungsganges und der gewünschten Schulform und Schule“ ansteht. Vor uns liegt noch das Gespräch mit der Klassenlehrerin von dem ich mir etwas Orientierung erhoffe.

 

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6 Kommentare

Eingeordnet unter Familie, Gesellschaft

6 Antworten zu “Die Qual der Schulwahl

  1. Das ist wirklich eine schwierige Situation, liebe Anke. Ich würde auch erst mal mit der Klassenlehrerin sprechen, schließlich kennt sie Neun ja nun schon drei Jahre und kann das bestimmt ganz gut einschätzen. Ich denke, sie kennt auch die drei weiterführenden Schulen – zumindest würde ich das von ihr erwarten.
    Mein Eindruck ist, dass diese sog. Eliteschule auf Hochbegabte spezialisiert zu sein scheint, zu deren Profil nun mal extreme Lernbereitschaft und Eigeninitiative gehören. So etwas lässt sich nur schwer von außen beeinflussen und wenn das Kind diese Eigenschaften nicht von sich aus aufweist, wird es dort eher unglücklich werden. In Maßen kann es aber auch motivierend wirken, wenn ein Kind sich in einem solchen Umfeld bewegt. Eine Zeitlang. Wenn es mit dem Lernpensum nicht mehr mitkommt, kann es aber auch ins Gegenteil umschlagen.
    Individuelle Selbstfindung klingt doch gut. Abzuklären wäre hier sicherlich die Frage der angemessenen Stoffvermittlung. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich eine hessische weiterführende Schule noch leisen kann, mit der Stoffvermittlung nicht hinterher zu kommen. Hessen hat da doch sehr aufgeholt und Bayern ist nicht mehr das, was es einmal war. Ich denke, nach einer angemessenen Eingewöhnungsphase wird sich das mit dem Stoff schon einpegeln.
    Zu der dritten Schule kann ich gar nichts sagen. Da würde ich an Deiner Stelle in Absprache mit der Schulleitung einfach mal einen Vormittag hospitieren. Mal in die Jahrgangsklassen gehen, was passiert in den Pausen, wie gehen die Schüler miteinander um usw.? Wenn Du das machen kannst, dann zeigt die Schule immerhin Offenheit, wenn nicht, würde ich es schon als ungutes Zeichen empfinden.
    Ich frage auch noch, sind diese drei Schulen Gesamtschulen? Es gibt ja immer noch die Möglichkeit, nach der zehnten Klasse auf eine gymnasiale Oberstufe zu wechseln. Dies muss ja jetzt nicht die einzige, unwiderrufliche Schulentscheidung für Neun sein. Vielleicht entlastet dies Dich ein wenig vom Druck, jetzt ein für allemal alles richtig zu machen.

    LG, Renate

  2. Ach Anke,
    das kann ich mir gut vorstellen, wie belastend diese Entscheidung sein muss. (in einem Jahr ist es bei mir auch so weit)
    Ich denke an Dich und hoffe Du hast Menschen, mit denen Du die Entscheidung besprechen und teilen kannst.
    Alles Gute für Dich
    e.

  3. Das müssen Herr S. und ich natürlich gemeinsam entscheiden, allerdings bringen die Gespräche miteinander uns momentan auch nicht weiter. Es ist ein einziges hin- und herlavieren zwischen Faktenauswertung und Intuition, begleitet vom Bewußtsein, dass der wichtigste Faktor, nämlich „Welche/n Lehrer/in wird mein Kind bekommen“ völlig unberechenbar ist. Es macht einen wirklich wahnsinnig.

    Eine facebook-Freundin, im wahren Leben eine Bekannte, die sich gerade mit der selben Frage quält, schrieb in einer persönlichen Nachricht: „Aber irgendwann musst du dich entscheiden, und du wirst dich wie immer ein Lebenlang fragen, war es richtig!!!“

    @Renate: Es handelt sich um eine integrierte und zwei additive Gesamtschulen, wobei in den beiden Additiven der Fokus klar auf dem Gymnasialzweig liegt. Die „Eliteschule“ ist darüber hinaus G8.

  4. Dagmar

    Ich kann das so gut verstehen … weiß noch, wie es bei uns war.
    Dreizehn ist jetzt in der 8. Klasse Gymnasium, und noch immer weiß ich nicht immer, ob die Entscheidung richtig war. G8 ist sehr, sehr anstrengend. Kein Vergleich mit meiner eigenen Schulzeit. Sie schlägt sich tapfer, aber es ist eben auch viel Holz.
    Zur eigenen Entscheidung kommen ja immer noch Unwägbarkeiten. Wir haben zum Beispiel keinen Platz an der Schule bekommen, die wir an 1 gesetzt hatten. Und das ist auch nicht „einklagbar“. Lediglich für die SchulFORM kann man sich entscheiden. Heute sind wir aber ganz zufrieden mit der Schule auf Platz 2.
    Was ihr auf jeden Fall mit bedenken müsst, ist, dass Pubertist(inn)en gerne mal um ein bis zwei Noten abrutschen, wenn’s an die 8. und 9. Klasse geht. Dreizehn hat in diesem Jahr zum ersten Mal auch zweimal Note 4 auf dem Zeugnis. Ich mache mich nicht verrückt deswegen, aber schön ist es auch nicht wirklich. Also, G8 würde ich vielleicht schonmal beiseite lassen. Nach einer 10. Klasse Gesamtschule sind noch alle Optionen offen!
    Auf das Thema Lehrer haben wir sowieso keinen Einfluss. Selbst wenn Neun zum Einstieg eine/n tolle/n Lehrer/in bekommt – das kann in zwei Jahren schon wieder ganz anders sein, denn anders als in der Grundschule herrscht da wenig Kontinuität. Es gehört einfach zu einer Schullaufbahn dazu, dass man sowohl gute als auch doofe Lehrer hat. Da kommt niemand drumrum.
    Ebenso wie Renate finde auch ich, dass „individuelle Selbstfindung“ gut klingt. Die Lernziele müssen die Kinder eh erreichen.
    Gutes Gelingen wünscht Dagmar (und macht euch nicht verrückt!)

  5. Ha, letztlich bewahrheitete sich die alte Weisheit „nichts wird so heiß gegesessen, wie gekocht“. Leichte Entscheidung dann doch. Warum? Weil DER BETROFFENE eine klare Präferenz hatte. Punk, basta, aus. Im Sommer neue Schule – let´s get happy!

  6. Oh, pedder, da hast du Recht. Rückblickend erscheint die ganze Aufregung übertrieben. Aber so ist es eben, man will das Beste für sein Kind bei einer Entscheidung. Ich denke auf der „Hippie-Schule“ sind wir alle gut aufgehoben. Und sowieso: Hauptsache der Fußball kommt nich zu kurz :-)

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