Sind PeterLicht-Bilder strafbar?

Fotografieren und Filmen ist bei dem Konzert von Peter Licht nicht gestattet. So steht es auf einem Plakat. Und man glaubt es kaum: Die Besucher halten sich an die Vorschrift. In der heutigen Zeit, in der die Leute fortwährend alles und jeden im Bild festhalten und man die Bühne manchmal vor leuchtenden Handydisplays nicht mehr sieht, bleiben die Kameras und Smartphones in der Tasche. Das nenne ich eine gelehrige Fangemeinde. Politisch unkorrekt den Herrn Licht abschießen, wo er sein Gesicht doch sonst hinter Kaffeetassen versteckt und sich nur dem Live-Publikum exklusiv zeigt, das geht gar nicht.

Oder doch? Vorne am rechten Bühnenrand wird heimlich gefilmt als „Die transsylvanische Verwandte ist da“ erklingt – und das in voller Länge. Niemand greift zurechtweisend ein. Auch nicht als ich mich am linken Bühnenrand nach vorne pirsche und meine kleine Kompaktkamera auf den Sänger mit der Gitarre richte. Kein strafender Blick, kein Räuspern, nichts. Ich fotografiere diskret, ohne Blitz, ohne Tamtam. Einmal ganz am Anfang als der Pop-Poet, der auch Buchautor und Ingeborg-Bachmann-Preisträger ist, das Konzert mit einer Lesung eröffnet und dann noch einmal am Ende bei „Sonnendeck“, dem bekanntesten Song, der schon zehn Jahre alt ist. Insgesamt acht Bilder mache ich, völlig ungestört. Vermutlich traut sich niemand etwas zu sagen an einem Abend an dem ein Album vorgestellt wird, das „Das Ende der Beschwerde“ heißt.

Das Konzert? So lala. Tolle vierköpfige Begleitband, Licht engagiert an der Gitarre. Schöne Melodien, die wohlig durch einen hindurch strömen. Doch ist der Feuilleton-Liebling zwar ein klasse Texter, aber nicht unbedingt ein begnadeter Sänger, ein Unterhalter schon gar nicht; und er hat – wenn man es ohne den gebotenen Respekt formulieren will – das Charisma eines Hörsaals. Für ein Live-Erlebnis ist das Ganze recht blass. Ich würde sagen: Dabeigewesen zu sein, ist okay. Um ein Adjektiv zu verwenden, dass Herr Licht selbst gerne mag. Und nun hoffe ich, wenn ich zwei der Bilder veröffentliche, ist das auch okay, irgendwie, und ich werde nicht innerhalb weniger Sekunden wegen Raubfotografie verhaftet oder ein Abgesandter vom PeterLicht-Fanclub steht vor der Tür und setzt mich emotional unter Druck. Bitte schauen Sie so diskret wie möglich und behalten Sie das Gesehene für sich.

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8 Kommentare

Eingeordnet unter pop/kultur

8 Antworten zu “Sind PeterLicht-Bilder strafbar?

  1. nun kann ich es nicht lassen und muss nachfragen: warum, wenn er darum bittet nicht zu fotografieren, warum tut man es dann? sonst ja mit vielem einverstanden, verstehe ich das nicht so ganz. ich glaube, ich hätte die fotografierenden höflich hinaus gebeten…

  2. Ich empfinde es als Pose, als billigen PR-Gag. Nach dem Motto: Wie mache ich mir am besten einen Namen, mal ganz unabhängig von meiner Musik? Hm. Grübel. Na ja, ich bin zwar eine öffentliche Person und meine Platten will ich ja auch verkaufen, aber ich untersage jetzt einfach mal der Presse und überhaupt allen mich zu fotografieren. Das finden die Leute bestimmt interessant. Darüber wird ganz sicher berichtet.
    Ging ja auch super auf, das Konzept.
    Ich denke, diesem Wunsch kann, aber muss man nicht nachkommen. Was der Artikel verschweigt: Seit der Buchmesse und der ersten Tournee 2006 ist das Geheimnis um Peter Lichts Erscheinung bereits gelüftet und es existieren auch schon Fotos von ihm hier und dort. Im Grunde einmal mehr absurd, weiter auf der „Bitte nicht fotografieren“-Attitüde herumzureiten.
    Fürs Protokoll: Fotos, die im privaten Kontext entstehen, würde ich niemals ohne Absprache veröffentlichen!
    P.S.: Normalerweise fotografiere ich bei Konzerten nie – und selten bei privaten Feierlichkeiten o.ä.

  3. Ich glaube nicht, dass es lediglich ein billiger PR Gag ist, dafür macht Herr Licht das zu lange und zu konsequent. Ich denke dahinter steckt (zumindest auch) der Gedanke, dass das was man fabriziert, künstlerisch, also der Text oder das Lied, nicht gleichzusetzen ist mit der Person. Dass Kunst ein eigenes Gesicht hat, und das es nicht immer gut ist, wenn das überblendet wird mit dem Gesicht des Künstlers.

  4. Diesen Gedankengang halte ich durchaus für möglich. Er würde auch erklären, warum insbesondere die intellektuelle Musikpresse so brav darauf ansprungen ist, auf diesen Verhüllungstrick.

  5. Ich sage nur: Danke! Ich dachte ja immer, Peter Licht sei eigentlich jemand anders, jemand Berühmtes, der so heimlich noch Musik macht. Dass er einfach nur nicht will, dass das mit der Ausstrahlung des Hörsaals publik wird, wer hätte das gedacht?

  6. robert.kl.

    In einer Zeit in der es keine Geheimnisse mehr gibt, nur noch Glas und Transparenz und Sichtbarkeit usw. – wie schade, dass in dieser Zeit noch jemand seine kleinliche Frede empfindet, die Kamera auf jemanden zu richten und abzudrücken. Mein Glückwünsch, Du Entzauberer, da ist Dir was ganz großes, sensationelles gelungen! PS: nicht!

  7. Mari Soll

    Es geht hier um den Schutz der Privatsphäre des Einzenen und das Ende der Privatheit in der heutigen Gesellschaft. Leider haben nicht alle Menschen verstanden, welche Konsequenzen sich aus Letzterem ergeben. Ich empfehle dir, du toller Fotograf, an dir selbst zu arbeiten und lieber diesen Gedanken weiterzuspinnen anstatt stolz darauf zu sein, dass du hier den Wunsch eines Menschen völlig missachtet hast.
    Respektlos!

  8. Bei Google findet man noch mehr böse, böse Fotos. Wer sich hier aufregt, hat die schöne neue Welt noch nicht verstanden. Das Ganze ist inzwischen nicht viel mehr als ein PR-Gag. Total inkonsequent und irgendwie auch kindisch.

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