Stell mich um wohin du willst

Es hat lange gedauert, aber inzwischen habe ich aufgehört, mich über Neuerungen zu ereifern, die Internetportale ihren Benutzern ungefragt aufdrängen. Sie tun es regelmäßig und genauso regelmäßig müsste ich mich weiter aufregen. Bei der letzten Facebook-Profil-Umstellung vor ungefähr einem halben Jahr beschwerte ich mich noch per Statusmeldung über die neuen Funktionen; richtig genervt war ich, dass man sich schon wieder an neue Masken und Menüpunkte gewöhnen musste. Ich geriet in Rage, weil es nicht das erste Mal war. Bevor Facebook mein virtuelles Zuhause geworden war, hatte ich meinen Hauptwohnsitz bei MySpace – und dort nach mehreren Umstellungen, die zur totalen Unbedienbarkeit geführt hatten, eines Tages verzweifelt das Weite gesucht.

Bei Facebook soll demnächst die sogenannte „Chronik“ zur Pflicht für alle werden. Bislang wird sie – auch das kennt man schon – als freundliches Angebot zur freiwilligen Entscheidung lanciert, bis am Tag X die Zwangsumgestellung kommt. Für mich, nach allem was hinter mir liegt, keine sehr schockierende Tatsache mehr. Als Benutzerin von Sozialen Netzwerken und anderen kostenlosen Internetangeboten wie web.de und Ebay bin ich es inzwischen gewohnt, mich permanent mit neuen Layouts und neuen Funktionen herumschlagen zu müssen. Natürlich hasse ich es, besonders die Überprüfung der Privateinstellungen auf der Suche nach hinterlistigen Attaken der Betreiber. Das ist so unglaublich lästig. Sich darüber aufzuregen jedoch, ist die pure Energieverschwendung. Schonender für die Nerven ist es, einen gewissen Zangserneuerungsopportunismus an den Tag zu legen.

Deshalb sage ich mir diesmal: Lass‘ kommen, die verdammte Chronik. Den Mist werde ich auch noch überleben. Allerdings wird der Frieden, den ich mit dem Erneuerungszwang gemacht habe, nun gestört von den Beschwerden, die ununterbrochen auf meiner Neuigkeitenleiste vorübertickern. Ein Motiv wird bis in die Unendlichkeit dupliziert. Ein Facebook-User hat es erstellt. Es ist nicht sehr originell, aber sehr beliebt. Kaum hochgeladen, wurde es über 20.000 mal geteilt, also von anderen Nutzern als Neuigkeit verbreitet. Der Zähler steigt im Minutentakt.

Dem Protestbutton ist eine Botschaft beigefügt: IN KÜRZE MACHT FACEBOOK DIE NEUE CHRONIK ZUR PFLICHT FÜR ALLE. WENN DU AUCH DAGEGEN BIST UND DEIN ALTES PROFIL BEHALTEN WILLST, ZEIG ES, IN DEM DU DIESE NACHRICHT TEILST! Natürlich wird die Anti-Chronik-Aktion nichts bewirken und die Gemüter werden sich wieder beruhigen. Sicherlich wird, kaum dass sich alle mit der aufgezwungenen „Chronik“ abgefunden haben, eine neue Änderung kommen. Gefolgt von ihrendeinem albernen Protest-Button zum großzügigen Teilen. Es ist der ewige Kreislauf des virtuellen Lebens.

 

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6 Kommentare

Eingeordnet unter Netzleben

6 Antworten zu “Stell mich um wohin du willst

  1. Dagmar

    Ach Anke, du sprichst mir so aus der Seele. So … so – und auch so! ;-)
    Die Riesenlettern im Bild-Zeitungs-Format interessieren Facebook so sehr wie der legendäre Reissack. Deswegen werde auch ich mich der neuen Unübrsichtlichkeit fügen und mich irgendwann daran gewöhnen. Schönen Sonntag allerseits.

  2. Habe am Wochenende mal damit begonnen, die neuen Google-Regeln zu studieren.http://www.google.com/policies/ Sie treten am 1. März inkraft. Bis heute, am Dienstag, habe ich etwa ein Drittel davon geschafft.

    Blöderweise habe ich mein E-Mail Konto vor Jahren von AOL mal zu Google verlegt – weil ich mir bei AOL so beobachtet vorkam.
    Ha. Haha. Hahahahaha.

  3. Gefaellt mir gut der Blog. Tolle Themenwahl.

  4. Ich öffnete am letzten Sonntag Facebook und dort wurde auch die Neuigkeiten-Leiste umgestellt. Nunja. Meine Chronik ist seit dem 15. August in Betrieb. Ich stelle um, privatisiere und denke, dass ich mich anpasse, dass ich auch zum gläsernen Bürger werde.
    Von daher: Mehr Gelassenheit…man kann eh nichts ändern.

  5. @Miez: An der Erregung über ungewollt Neues haben wir ehemaligen MySpacer uns dort wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit abgearbeitet :-) Irgendwann wird sowieso auch facebook tot sein. Und dann heißt es, sich wieder an etwas ganz anderes zu gewöhnen.
    Davon abgesehen: Die Chronik ist im Gegensatz zu vielen anderen zwangsläufig akzeptierten Änderungen doch mal EIN ECHTES UPGRADE.

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