Von virtuellen Festspielen und dem wahren Leben

Seit knapp vierzehn Tagen bin ich zurück vom virtuellen Berlinale-Trip. Schön war’s, wenngleich ich das Geschehen weniger ausgiebig verfolgen konnte, als ich es mir vorgenommen hatte. Die meisten Fernsehberichte habe ich verpasst. Wenige Pressekonferenzen habe ich im Livestream gesehen. Und selten gelang es mir, den Berlinale-Teil des Tagesspiegels direkt am Erscheinungstag zu lesen. Es ist der Alltag, der einem bei so einem Vorhaben mit unerbittlicher Penetranz ständig einen Strich durch die Rechnung macht.

Das Leben ist ja kein dunkler Kinosaal in dem Ruhe und Konzentration herrscht, wo man nicht angesprochen wird und die Zeit auf wunderbare Weise still zu stehen scheint. Leben, das ist Geldverdienen, Wäschewaschen, Brote schmieren, Einkaufen, Hausaufgaben kontrollieren, Überweisungen tätigen et cetera. Plus Krisenmanagement. Die Autobatterie ersetzen, weil sie den Geist aufgibt, beispielsweise. Oder tagelang wegen eines Ersatzteils für die Spülmaschine herumgelefonieren. Solche Dinge, die sich nicht mal eben aufschieben lassen, bloß weil man gerade virtuell in Berlin ist.

Wie dem auch sei. Zumindest habe ich 2012 vom Festival mehr mitbekommen als in den Jahren zuvor.  Ich bin auf viele Filme gestoßen, die ich gerne sehen möchte; einige kommen im Laufe des Jahres ins Kino. Über den Regie-Bären an Christian Petzold für „Barbara“ habe ich mich sehr gefreut. Enttäuscht war ich darüber, dass Corinna Harfouch für ihre Darstellung in „Was bleibt“ nicht den Schauspielerinnen-Bären erhalten hat, den sie doch längst einmal verdient hätte. Viele der Preisvergaben waren schwer nachvollziehbar. Aber das ist ja meistens so in Berlin. Es werden die Filme prämiert mit denen die Kritiker am wenigsten gerechnet hätten.

Eine schöne Randnotiz gibt es: Der Blogeintrag „Berlinale im Landkreis Offenbach“ wurde auf der Facebook-Seite des Tagesspiegels lanciert. Am Tag des Postings kamen überdurchschnittlich viele Besucher vorbei und ich musste mich ganz schön ins Zeug legen, alle Gäste mit Sekt, Kaffee und kleinen Köstlichkeiten aus der Region zu bewirten. Die spontane Off-Berlinale-Party war mir ein großes Vergnügen.

Advertisements

2 Kommentare

Eingeordnet unter Film&Fernsehen, Netzleben

2 Antworten zu “Von virtuellen Festspielen und dem wahren Leben

  1. a) filme gehören durchaus auch zum wahren leben. ohne kultur und diesem kram wär das leben ja doch nur „vegetieren“, gell? ;)
    b) corinna harfouch finde ich auch toll und würde ihr jeden preis gönnen.
    c) ich bin froh und glücklich, dass ich am 18.2. auch platform für eine mini-verleihungs-party werden konnte.
    d) der TAGESSPIEGEL kann ganz schön froh sein, dass das berlinale-zeug auch noch in anderen provinzen gehör fand (denn: berlin ist auch ganz schön in-the-middle-off-nowhere, oder etwa nicht? dahinter fängt doch die taiga an! entschuldigung. ich weiß, ziemlich eurozentristisch.)

  2. Danke nochmal, liebe Verena, für die *Preisverleihungs-Party*
    War echt bärig!
    Was das allgemeine Interesse fern ab der Hauptstadt für die Berlinale betrifft, kommt es mir so vor als fände sie weitgehendst unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Von meinen rund 250 Facebook-Freunden beispielsweise interessieren sich nach meiner Schätzung vielleicht zehn so richtig intensiv dafür. Nicht einmal 5% also. Das ist übertragen auf die Gesamtbevölkerung wahrscheinlich noch ein guter Schnitt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s