Ich war noch niemals in New York (2)

First of all: Ich bin sehr froh, dass ich mich alleine auf den Weg gemacht habe. Mehr als einmal stand das Vorhaben auf der Kippe. Letztendlich siegte die Neugier. Nachträglich erscheinen mir die Bedenken, die ich im Vorfeld hatte, übertrieben. Kaum war ich in New York angekommen, lösten sich in Luft auf. Dennoch gab es etliche Momente, da hätte ich gerne jemanden an meiner Seite gehabt. Momente, die so überwältigend waren, dass ich sie gerne geteilt hätte. Oder solche, in denen ich erschöpft war, aber immer weiter getrieben wurde, weil mir Alleine-Herumlaufen eher liegt als Alleine-auf-einer-Bank-Sitzen. Durch das ununterbrochene Flanieren, auch fern ab der üblichen Sightseeing-Routen, habe ich sehr viel gesehen von Manhattan und Brooklyn. Die Eindrücke arbeitet nach wie vor in mir.  Die Stadt hat mich tief beeindruckt. Sie hat meine Gedanken mit neuen Impulsen aufgeladen. Energie, die ich mit nach Hause genommen habe.

Meinen Reisebericht möchte ich mit den letzten Stunden in New York beginnen: eine Abschiedrunde durch „mein Viertel“ rund um die 107th Street im oberen, westlichen Manhatten. Die Columbia University liegt in der Nähe, der Central Park direkt vor der Tür und der weitgehend unbekannte, sehr schöne Morning Side Park ist nur drei Blocks entfernt. Die Upper West Side zählt nicht zu den In-Vierteln Manhattans, wie etwa Soho, Chelsea oder Greenwich Village, wo angesagte Cafés und Designläden die Straßen säumen. Geschäfte und Lokale gibt es zwar rund um den Broadway reichlich, jedoch ohne Hipnessfaktor. Abends ist es vergleichsweise ruhig.  Das muss man mögen. Ich tue es: mein Haus, meine Straße, mein Central Park, meine Metro-Station…

… meine letzte Mahlzeit…

Pizza in  einer Filiale der „Famous Famiglia Pizzeria“. Ein unspektakulärer Ort – Broadway, Ecke 111th Street – und doch sitze ich, wie immer, staunend da und sauge die Atmosphäre in mich ein.  Die erste Pizzeria dieser Art eröffneten 1986 vier in den 70ern mit ihrer Mutter eingewanderte Brüder. Heute besitzen sie Filialen in ganz Amerika. Eine von vielen Geschichten, in denen der „American Dream“ wahr geworden ist. Die Pizza in Ordung. Die Brüder haben alles richtig gemacht. Auf der Serviette steht: „Famous Famiglia has been the Official Pizza of The New York Yankees since 2003”. New York Yankees, denke ich, dürfen die so etwas überhaupt essen?

Während ich dann meine Kamera auf den leeren Pappteller richte, spielt im Hintergrund Madonnas „Holiday“ – ein wichtiges Stück auf dem Soundtrack meines Lebens. Ich muss schmunzeln, nehme den letzten Schluck Wasser und räume das Tablett weg. Wenig später stehe ich mit meinem Koffer, der mit amerikanischen Süßigkeiten und weiteren  Schätzen für die Daheimgeblieben prall gefüllt ist, in der „E Line“ Richtung Queens, Jamaica Center – mitten im dicksten Berufsverkehr. Die Verbindung hatte mir zuvor ein Mitarbeiter der New Yorker Verkehrsbetriebe mit Engelsgeduld erklärt. „You are a tourist, I have to help you“ sagte er mehr zu sich selbst als zu mir bevor er – wahrscheinlich unerlaubt – sein Kassenhäuschen verließ, um auf dem U-Bahn-Plan die Umsteigebahnhöfe für mich mit Kugelschreiber einzukringeln. Im Zugabteil ist es eiskalt, aber angenehm ruhig. Mobiltelefone funktionieren im New Yorker Untergrund nicht, die Klimaanlage schon. Die von meiner Schulter baumelnde  I ♥NY Tasche ist mir ein bißchen peinlich. Doch konnte ich auf der Suche nach Souvenirs partout nicht an ihr vorbei gehen. So ist es eben: I LOVE NEW YORK. Es war nicht ganz Liebe auf den ersten Blick…  Fortsetzung folgt.

… mein Zimmer.

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6 Kommentare

Eingeordnet unter Reisen

6 Antworten zu “Ich war noch niemals in New York (2)

  1. Ich freue mich sehr über diese Serie und wage mal die Vermutung, dass sie einen ganz besonderen Reiz, eine Andersartigkeit aus gerade dieser manchmal schwierigen Tatsache bezieht, dass du ganz allein unterwegs warst. Ich bin mir sicher, das ändert auch sehr den Blick.

  2. Und ich freue mich sehr, dass du diese Reise begleiten möchtest!

  3. Verena G.

    me likey!
    hallo süsse, mag den bericht und dein papierschiffchen.
    vor allem aber deine art zu schreiben.
    lg
    vreni

  4. die story von hinten nach vorne zu erzählen: schöne idee. will auch nach nyc …

  5. Eusti

    Mal sehen, ob das denn wohl nun klappt mit dem Kommentar hier…

    D.

  6. Pizza, Madonna und die New York Yankees! Was mehr?
    Als ich dort mit meiner Frau war habe ich nicht so einfach mit dem U-Bahn zu fahren, manchmal sind die Verbindungen sehr komplizierten!
    robert

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