Archiv der Kategorie: Helden

Am Anfang war das Foto

Als mir Lady Gaga vom Cover des neuen Spex Magazins entgegen blickte,        hatte ich sofort die Assoziation. Ich dachte an Judith Hermann. An das sagenumwobene Autorinnenfoto anlässlich der Veröffentlichung ihres Debütromans „Sommerhaus, später“ im Jahr 1998. Das Foto wäre der Anfang ihres Erfolgs gewesen, hieß es rückblickend, als das Buch unerwartet ein Bestseller geworden war. Natürlich wäre es das nie, wenn Judith Hermanns Erzählungen nicht so großartig gewesen wären und einen Nerv getroffen hätten. Doch ganz abwegig ist die Legende um das Porträt, das Renate von Mangoldt aufgenommen hat, nicht. Das Gesicht auf dem Schwarzweißbild barg etwas Unergründliches, wirkte gleichzeitig verletzlich. Es berührte zutiefst.  Judith Hermann war damals 28 Jahre alt.

Ob der Fotograf Wolfgang Tilmans (*1968) auch an dieses Bild dachte, als er Lady Gaga im Sommer 2010 im Alter von 24 Jahren im Duisburger Lehmbruck-Museum und dessen angrenzendem Park inszenierte?

„Das Foto stand am Anfang des Erfolgs“, schrieb Helmut Böttiger in der „Frankfurter Rundschau“ nachdem Judith Hermanns Buch sagenhafte 250.000 mal verkauft worden war – und weiter: „Man kannte von dieser Autorin keine Zeile. Aber man kannte dieses Foto.“  Bei Lady Gaga ist es genau umgekehrt. Man kennt sie und ihre Musik. Aber ein solches Foto hätte man niemals für möglich gehalten. Bei mir löst die in Spex veröffentlichten Fotoserie erstmals den Impuls aus, mich für Stefani Joanne Angelina Germanotta zu interessieren.

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Eingeordnet unter Helden, pop/kultur

Text-TÜV in Wolfenbüttel

Bundesakademie Wolfenbüttel – wie schon gesagt: ein inspirierender Ort. Seminare auf höchstem Niveau, eine beruhigend schlichte Unterkunft und die perfekte Rundumversorgung vom Frühstück bis zum Abendbrot. Zweieinhalb Tage kann man sich voll und ganz auf „die Sache“ konzentrieren. Das tut unglaublich gut.

Nach einem Photoshop-Grundkurs und einer „Werkstatt für kurze Texte“ hatte ich mich diesmal um eine Teilnahme am „Text-TÜV“ beworben. Das Seminar war mir empfohlen worden. 10 Manuskript-Seiten eines Romanprojekts mussten im Vorfeld eingesandt werden. Die Zusage der Teilnahme war so etwas wie die Überwindung einer ersten Hürde.

Als ich mich auf den Weg machte, war ich zugegebenermaßen nervös. Denn neben dem hoch geschätzten Bereichsleiter Literatur Olaf Kutzmutz war Martin Hielscher mit der Leitung des Seminars betraut. Prof. Dr. Martin Hielscher – der Pop-Star unter Deutschlands Lektoren. Der Mann, der sich in den 90ern für eine junge deutsche Literatur und das „neue leichte, realistische Erzählen“ stark gemacht hatte und als Geburtshelfer der Popliteratur gilt.

Ich konnte es gar nicht fassen, dass a) dieser Big Name ein Literaturseminar mit No Names leitete, b) ich daran teilnehmen würde und c) ER sich tatsächlich mit einem Text beschäftigen würde, den ICH geschrieben habe. Doch so war es. Und er tat dies aufmerksam, zugewandt, respektvoll, fair und konstruktiv, auf eine ganz und gar unprätentiöse Art. Abends saß er mit uns noch beim Bier, sprach über die Verlagsbranche, das Dasein als Lektor im C. H. Beck Verlag und über den Beruf Autor. Alles in allem nicht sehr schillernd. Aber das überraschte niemanden wirklich. Es ist eine harte Branche und das Autorendasein – sofern man keine Bestseller produziert – von wenig Verdienst begleitet.

Zur Vorbereitung hatten alle 14 Teilnehmer/innen einen „Reader“ erhalten, der die jeweils 10-seitigen Textproben enthielt. Im Seminar gab es kurze Lesungen von 1,5 bis 2,5 Seiten. Anschließend wurde innerhalb der Gruppe kritisiert. Vom Hörensagen wußte ich, dass es in solchen Seminaren durchaus passieren kann, dass angehende Autoren demontiert werden und heulend zusammenbrechen. Nicht so in diesem. Die Kritiken waren durchweg konstruktiv. Ich erhielt neben grundsätzlicher Zustimmung klare Anhaltspunkte für Nachbesserungen und profitierte nicht nur durch die Besprechung des eigenen Textes, sondern auch durch die der anderen.

Zum Abschied sagte Martin Hielscher sogar noch: „Mach da weiter!“ Ich hätte aufatmen sollen. Ich könnte motiviert sein. Doch das Gegenteil ist der Fall. Ich fühle mich zerrissen: In der einen Hand halte ich nun die Prüf-Plakette für den Entwurf von Text und Idee; durch die andere Hand zerrinnt weiterhin die Hoffnung, dass so ein Projekt, in das noch sehr viel Arbeit investiert werden muss,  jemals einen zufrieden stellenden Ausgang nehmen könnte. Und ich erwische mich bei dem Gedanken, dass es vielleicht besser gewesen wäre, gar nicht erst über den TÜV zu kommen… Ja, ja, das ist mal wieder typisch!

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Eingeordnet unter Helden, Inspiration, Schreiben

Jeder Schuh zu seiner Zeit

Orangefarbene Chucks. Mit Blümchen. Gefallen haben sie mir. Sonst hätte ich sie nicht gekauft. Ich konnte es sogar kaum erwarten, bis das Ebay-Päckchen endlich angekommen war. Als es dann ans Anziehen ging, spürte ich jedoch Zurückhaltung. Jedes Mal zog ich die Schuhe, kurz bevor ich damit das Haus verlassen wollte, wieder aus und tauschte sie gegen andere. Bis ich sie eines Tages tatsächlich auf einer Gartenparty trug – kombiniert mit einer ausgewaschenen Jeans und einem schnörkellosen grauen T-Shirt.

Den ganzen Nachmittag fühlte ich mich unwohl. Und allmählich dämmerte es mir, woran das lag. Ich war zu alt für geblümte orange Turnschuhe. Zu einer 14-Jährigen würden sie passen, aber nicht zu einer über 40-Jährigen. Ich fühlte mich wie eine Mutter, die sich am Schrank ihrer minderjährigen Tochter vergriffen hatte. Eine dieser Frauen, die nicht alt werden wollen und Krähenfüße mit Jungmädchenmode kaschieren. Irgendwie überstand ich den Nachmittag. Nach ein paar Gläsern Sekt dachte ich nicht mehr an meine Füße. Es war das erste und letzte Mal, dass ich die Schuhe getragen habe. Nach der Party landeten sie in einer Kiste und kürzlich wieder bei Ebay.

Sommersprosse hat mir gerade eine Bewertung geschickt: „Alles super, tolles Schnäppchen. Ich bin total happy. Danke!“ Ist das nicht schön? Die Freude ist ganz meinerseits. Ich bin erleichtert, die Dinger los zu sein. Mit 30 Euro hatte ich gar nicht gerechnet. Dafür bekomme ich 30 ml meiner Lieblings-Luxus-Falten-Creme. Wenn das nicht der perfekte Tausch ist!

Keinesfalls möchte ich eines Tages enden wie Madonna, die in einem ewigen Jugendwahn alle Grenzen sprengt und womöglich als Karikatur ihrerselbst zu Grabe getragen wird.  Eher halte ich es mit Sophie Rois. Sie sagt  in einem (sehr guten) Interview im Missy Magazine – angesprochen darauf, dass sie sich häufig schon kritisch über Mode und Alter geäußert hat – folgendes: „Ich beschwere mich über gar nichts. Das ist langweilig und lächerlich. Ich versuche nur, die Fakten festzuhalten und ich sehe da einen Befehl der lautet: Zieh Teenagerklamotten an, bis du in die Grube steigst. Das gefällt mir nicht.“

Danke, Frau Rois! Die von mir sehr verehrte Schauspielerin feiert am 1. Juni übrigens ihren 50. Geburtstag. Hoffentlich kommt niemand auf die Idee, ihr orange Turnschuhe mit Blümchen zu schenken.

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Borderline-Journalismus, Tom Kummer & ich

Mit Bestimmtheit kann ich gar nicht sagen, ob ich jemals einen Artikel des Skandal-Reporters Tom Kummer gelesen habe. Ich würde eher sagen Nein; und wenn überhaupt, dann nicht bewusst. Es liegt wohl daran, dass ich Zeitungs-Interviews mit Hollywood-Stars generell kaum beachte. Weil ich weiß, dass diese – durch  Bildagentur-Fotos zu Doppelseiten aufgeblasenen – Interviews zumeist innerhalb von zehn Minuten in Hotelzimmern entstanden sind. Die Stars geben Journalisten, die in Gruppen durchgeschleust werden, die immer gleichen Antworten, fast ausschließlich auf Fragen zu dem Produkt, das gerade verkauft werden soll (neuer Film, neues Buch, neue CD etc).

Ich habe in diesem PR-Betrieb selbst schon verschiedene Rollen gespielt. Die Presseagentin, die ab der neunten Minute anfängt, mit dem Zeigefinger auf die Uhr zu tippen; ebenso wie die Fragestellerin, die beispielsweise mit Patrick Stewart und Brent Spiner (alias „Captain Jean-Luc Picard“ und „Data“), sowie neun Journalisten-Kollegen am Tisch eines Konferenzraum in einem Nobelhotel sitzt und Antworten auf Fragen notiert, die andere stellen, neben der EINEN Antwort auf die EINE Frage, die man selbst stellen darf.

Doch zurück zu Tom Kummer, dem Schweizer(!) Erfinder des so genannten „Borderline Journalismus“. Auf seinen Namen aufmerksam wurde ich erstmals im Mai 2000, nachdem aufgeflogen war, dass er Interviews u.a. mit Sharon Stone, Brad Pitt und Bruce Willis, in denen die Stars unerhört persönliche Dinge von sich preis gaben, allesamt selbst erfunden hatte. Sechzig insgesamt verkaufte er an zeitgeistige Blätter wie Tempo oder das SZ-Magazin. Die Enthüllung der Fälschungen war ein Riesen-Skandal. Die Medienwelt zeigte sich erschüttert und empört. Ich dachte damals nur: Recht hat er, der Tom Kummer, wo ohnehin nichts ‚Echtes‘ geboten wird, ist Fantasie die perfekte Ergänzung.

Nun, ein Jahrzehnt später, bin ich erneut auf seinen Namen gestoßen. Zunächst im Blog der geschätzten Katja Kullmann. Sie berichtet im Eintrag „Reality Check: Tom Kummer schreibt (wieder einmal) über Facebook“ über den aktuellsten Coup, eine im facebook-Kosmos angesiedelte Enthüllungstory, übergriffig, aber nicht wirklich skandalös, die in die Schweizer Zeitschrift „Du“ veröffentlicht wurde. Am Ende des Textes wird die filmische Doku „Bad Boy Kummer“ erwähnt, die derzeit in ausgewählten deutschen Kinos läuft. Der Züricher Miklós Gimes, früherer Vizechef beim Schweizer „Tages-Anzeiger“ und von den Fälschungen seines Landsmannes selbst betroffen, geht darin der Frage nach: „Warum hat Kummer das gemacht?“

Begonnen haben soll die Fälscherkarriere nach einem Interview mit Pamela Anderson. Einer der üblichen Sammeltermine – siehe oben – mit dem Ergebnis, dass im Anschluss langweilige Phrasen auf dem Zettel standen. Weil Kummer trotzdem eine gute Story liefern wollte, reimte er sich selbst Spannendes zusammen. Zur Begeisterung seiner Auftraggeber. Wen interessiert schon der Wahrheitsgehalt, wenn der Artikel eine hohe Auflage verspricht?! Dass die damals verantwortlichen Redakteure sich bis heute als „Opfer“ darstellen, die angeblich nichts wussten, ist mehr als unglaubwürdig.

Der „Fall Kummer“ und seine filmische Aufarbeitung zehn Jahre danach ist vor allem für Medienschaffende von Interesse. Außerdem für in den Sechzigern und Siebzigern geborenen Popjournalismus-Sympathisanten. Selbst gehöre ich beiden Zielgruppen an. Und die Frage, die mich heute besonders bewegt: Warum bin ich nach dem unsäglichen Fließband-Interview mit den Enterprise-Ikonen Mitte der Neunziger nicht selbst auf die Idee gekommen, eine Karriere als „Boderline-Journalistin“ zu starten!? Den Film werde ich mir auf jeden Fall ansehen, wenn nicht im Kino, dann später im Fernsehen. Und mit Tom Kummer bin ich jetzt auf facebook befreundet.

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Eingeordnet unter Erinnerung, Freiberufsleben, Helden, pop/kultur

Belated happy birthday to my personal jesus Mr. Dave Gahan

Wie konnte ich nur seinen Geburtstag vergessen? Am 9. Mai ist Dave Gahan 49 geworden. Und gestern habe ich ihm erst gratuliert. Er sieht solche Dinge glücklicherweise nicht so eng, sagte nur: „Come on!“ Und dann sprachen wir ein bisschen über den 50. und dass wohl viele, einschließlich ihm selbst, gar nicht damit gerechnet hätten, dass er überhaupt 49 werden würde. Die Drogen, der Tumor. „… and stuff…“ Er machte eine Pause. „Das eine Jahr schaffe ich jetzt auch noch“, sagte er dann, natürlich auf Englisch, und lachte. Er hörte sich gut an, sehr entspannt.

„Weißt du noch?“ sagte ich dann.
„Of course…“ Er wusste, worauf ich hinaus wollte. Wir redeten jedes Mal darüber.
„Du mit Krone. Ich als Klappstuhl.“
„Great journey!“
„Ich werde nie vergessen“, sagte ich, „wie du mich durch die herrlichen Landschaften getragen hast: an diesen menschenleeren, von Hügeln umsäumten See in Schottland, an die portugiesische Küste und anschließend hinauf auf die schneebedeckten Schweizer Alpen…“

Am anderen Ende der Leitung war es seltsam still geworden.
„Hello??!“ rief ich ins Telefon.
Ich hörte nichts mehr, außer, dass im Hintergrund irgendwo ganz leise „Enjoy The Silence“ spielte. Oder kamen die Geräusche etwa nur aus meinem Kopf?

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Eingeordnet unter Fiktives im Alltag, Helden, pop/kultur

George Clooney mit 50 noch unsexy finden

Grundsätzlich bin ich Schwärmereien für Filmstars sehr aufgeschlossen. Clive Owen, Jude Law, Russell Crowe, Javier Bardem und wie sie alle heißen. Meine erste ganz große Leinwandliebe war Willem Dafoe. Anno ’86 habe ich mir dreimal innerhalb einer Woche “Platoon” angesehen. Wegen ihm. Regelrecht von Sinnen war ich.

George Clooney hingegen, obwohl als „begehrtester Junggeselle“ und zweifacher „Sexiest Man Alive“ gehandelt, konnte mich niemals auch nur annähernd in derlei Gefühlswallungen versetzen. Erstaunlicherweise. Er ist ja zweifellos ein sehr gut aussehender Mann. Darüber hinaus im wahren Leben politisch engagiert!

Wenn ich an Gorge Clooney denke, so fallen mir nicht die Rollen ein, die als seine besten oder wichtigsten gelten. Ich denke sofort an „Tage wie dieser“.  Da habe ich ihn entdeckt. 1996. Neben Michelle Pfeiffer, die eine allein erziehende Mutter spielt, agiert er als allein erziehender Vater. Beide versuchen im hektischen New Yorker Alltag Kleinkind und Karriere unter einen Hut zu kriegen, inklusive (natürlich!) einer Lovestory. Nett, charmant, witzig, irgendwie tapsig, das ist George Clooney bis heute für mich. Nichts zum Anhimmeln.

Emergency Room habe ich nie gesehen, weder Mitte der Neunziger und auch nicht beim Revival 2009. Die jüngste Erinnerung an einen Film mit George Cloony – abgesehen von seinen sehr hübschen Auftritten in den Spots eines Kaffee(maschinen)herstellers – ist seine Rolle als geläuterter Rationalisierungshai in „Up in the Air“. Eher zufällig geriet ich in die Vorstellung und war anschließend umso mehr begeistert, also: begeistert von dem Film als spröde-gefühlvolles Kinostück und dem Schauspieler – nicht von George Clooney als Mann, versteht sich.

Doch: Was nicht ist, kann ja noch werden. Eines Tages?!  Vielleicht in 10 Jahren. „The (double) Sexiest Man Alive“ ist zugegebenerweise einer, der mit den Jahren immer attraktiver wird.

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ZUM 50. GEBURTSTAG, MR. CLOONEY!

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Eingeordnet unter Älterwerden, Film&Fernsehen, Helden