Ich war noch niemals in New York (3)

Die S-Bahn Richtung Flughafen Frankfurt hält auf freier Strecke. Kurz darauf gibt es eine Durchsage.  Die Weiterfahrt würde sich verzögern und die Bahn könne nur bis zum Stadtrand verkehren. Wegen eines Personenschadens. Nein, das ist jetzt nicht wahr!, denke ich und gleich darauf: Das muss Schicksal sein, ein Zeichen! Die Reise ist keine gute Idee und dies eine unmissverständliche Warnung. Innerlich gerate ich in Panik. Als die Bahn anrollt, ermahne ich mich selbst zur Ruhe und fasse den Entschluss, bei der nächsten Gelegenheit, die sich bietet, auszusteigen und ein Taxi zu rufen. Don’t stop me now. Jetzt nicht mehr!

Ankunft JFK gegen 15 Uhr, also 21 Uhr nach deutscher Zeit.  Der achtstündige Flug ist entgegen allen Befürchtung sehr angenehm verlaufen. Nicht etwa der dauerquaselnder Widerling mit Mundgeruch aus meiner Fantasie hatte den Platz neben mir eingenommen, sondern die auf Anhieb sympathische, ebenfalls allein reisende Angelika. Zum Abschied umarmen wir uns sogar. Angelika will weiter nach New Jersey, Freunde besuchen. Durch die Sicherheitskontrollen geht es zügig; am Taxistand dann eine riesige Schlange. Fröstelnd stehe ich da. Der Himmel über New York ist Grau in Grau, dazu Nieselregen. Dabei hatte ich es mir so schön ausgemalt: Mit dem Taxi über die Brooklyn Bridge und einen spektakulären ersten Blick auf Manhattans Skyline. Doch die erhoffte Aussicht bleibt hinter einem Schleier aus Regen und Nebel verborgen. Ich bin sauer. Umso mehr freut mich der nette Empfang in meinem New Yorker Zuhause.

Es ist eine echte Wohlfühlwohnung, bis ins Detail liebevoll eingerichtet. Das Zimmer ist klein. Dafür dürfen Küche und Wohnzimmer mitbenutzt werden. Gastgeberin Simone hat einen Zettel mit den wichtigsten Informationen über Geschäfte und Restaurants in der Nähe zusammengestellt und auch einige Regeln, die im Zusammenleben zu beachten sind. Insgesamt drei Zimmer vermietet die Kölnerin, die seit zwölf Jahren in New York lebt. Außer mir sind zwei junge Frauen aus Kiel zu Gast und eine Ärztin aus Köln. Ich begegne den anderen stets nur flüchtig.

Central Park Vacation heißt die Website zur Wohnung.  Es gibt zwar keine direkte Aussicht ins Grüne, aber der Park ist nur wenige Meter entfernt. Kaum habe ich den Koffer ausgepackt, zieht es mich dorthin. Es ist 18 Uhr, für mich: Mitternacht. Zahlreiche Jogger sind unterwegs. Ein Mann mit Rucksack bittet mich, mit seiner Kamera ein Foto von ihm zu machen. Anschließend besteht er darauf, auch ein Bild von mir aufzunehmen, mit meiner Kamera, vor derselben Kulisse. „I love Central Park“ sagt er und dass er einmal im Jahr aus Wyoming nach New York reist, um ein paar Tage hier spazieren zu gehen. Er zeigt mir den Weg zum Great Hill. Um diese Uhrzeit scheint der Hügel ein Treffpunkt für Hundebesitzer zu sein. Die versammelten Herrchen und Frauchen machen auf mich einen neurotischen Eindruck – Projekt Hund, statt Projekt Kind – und einige der vierbeinigen Freunde sind für ein Leben in der Großstadt reichlich überdimensioniert.

Me at „The Pool“ (Foto: Wyoming Man)

„Great Hill“ – ohne Hunde und ihre Liebhaber/innen

Bevor ich nach der ersten Erkundungstour zurück in die Wohnung gehe, mache ich noch einen Abstecher in den Supermarkt. Von wegen Junk Food und Trash! Es gibt Unmengen Obst und Gemüse in allen möglichen Variationen. Es gibt Frischetheken mit Salaten und einer schier unendlichen Auswahl an fertigen Gerichten in Feinkostqualität. Und das Zauberwort heißt „Organic“. Bei den Milchprodukten dominiert „Low Fat“ in unüberschaubaren Abstufungen. Milch mit normalem Fettgehalt zu finden, kostet mich eine gefühlte halbe Stunde. Außerdem kaufe ich Mineralwasser in einem imposanten 3-Liter-Kanister, Bananen-Muffins und Orangensaft fürs Frühstück, Chips und Bier für den Dämmerschoppen.  Über die Preise für ganz normale Lebensmittel staune ich nicht schlecht. Später liege ich auf dem Bett und mache Pläne für den nächsten Tag. Möglichst lange Durchhalten am Ankunftstag, hatten Freunde mir geraten, so überstehe man die Zeitumstellung besser. Es ist vier Uhr morgens deutscher Zeit, 22 Uhr in New York, als ich mich schließlich dem Schlaf hingebe.

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Ich war noch niemals in New York (2)

First of all: Ich bin sehr froh, dass ich mich alleine auf den Weg gemacht habe. Mehr als einmal stand das Vorhaben auf der Kippe. Letztendlich siegte die Neugier. Nachträglich erscheinen mir die Bedenken, die ich im Vorfeld hatte, übertrieben. Kaum war ich in New York angekommen, lösten sich in Luft auf. Dennoch gab es etliche Momente, da hätte ich gerne jemanden an meiner Seite gehabt. Momente, die so überwältigend waren, dass ich sie gerne geteilt hätte. Oder solche, in denen ich erschöpft war, aber immer weiter getrieben wurde, weil mir Alleine-Herumlaufen eher liegt als Alleine-auf-einer-Bank-Sitzen. Durch das ununterbrochene Flanieren, auch fern ab der üblichen Sightseeing-Routen, habe ich sehr viel gesehen von Manhattan und Brooklyn. Die Eindrücke arbeitet nach wie vor in mir.  Die Stadt hat mich tief beeindruckt. Sie hat meine Gedanken mit neuen Impulsen aufgeladen. Energie, die ich mit nach Hause genommen habe.

Meinen Reisebericht möchte ich mit den letzten Stunden in New York beginnen: eine Abschiedrunde durch „mein Viertel“ rund um die 107th Street im oberen, westlichen Manhatten. Die Columbia University liegt in der Nähe, der Central Park direkt vor der Tür und der weitgehend unbekannte, sehr schöne Morning Side Park ist nur drei Blocks entfernt. Die Upper West Side zählt nicht zu den In-Vierteln Manhattans, wie etwa Soho, Chelsea oder Greenwich Village, wo angesagte Cafés und Designläden die Straßen säumen. Geschäfte und Lokale gibt es zwar rund um den Broadway reichlich, jedoch ohne Hipnessfaktor. Abends ist es vergleichsweise ruhig.  Das muss man mögen. Ich tue es: mein Haus, meine Straße, mein Central Park, meine Metro-Station…

… meine letzte Mahlzeit…

Pizza in  einer Filiale der „Famous Famiglia Pizzeria“. Ein unspektakulärer Ort – Broadway, Ecke 111th Street – und doch sitze ich, wie immer, staunend da und sauge die Atmosphäre in mich ein.  Die erste Pizzeria dieser Art eröffneten 1986 vier in den 70ern mit ihrer Mutter eingewanderte Brüder. Heute besitzen sie Filialen in ganz Amerika. Eine von vielen Geschichten, in denen der „American Dream“ wahr geworden ist. Die Pizza in Ordung. Die Brüder haben alles richtig gemacht. Auf der Serviette steht: „Famous Famiglia has been the Official Pizza of The New York Yankees since 2003”. New York Yankees, denke ich, dürfen die so etwas überhaupt essen?

Während ich dann meine Kamera auf den leeren Pappteller richte, spielt im Hintergrund Madonnas „Holiday“ – ein wichtiges Stück auf dem Soundtrack meines Lebens. Ich muss schmunzeln, nehme den letzten Schluck Wasser und räume das Tablett weg. Wenig später stehe ich mit meinem Koffer, der mit amerikanischen Süßigkeiten und weiteren  Schätzen für die Daheimgeblieben prall gefüllt ist, in der „E Line“ Richtung Queens, Jamaica Center – mitten im dicksten Berufsverkehr. Die Verbindung hatte mir zuvor ein Mitarbeiter der New Yorker Verkehrsbetriebe mit Engelsgeduld erklärt. „You are a tourist, I have to help you“ sagte er mehr zu sich selbst als zu mir bevor er – wahrscheinlich unerlaubt – sein Kassenhäuschen verließ, um auf dem U-Bahn-Plan die Umsteigebahnhöfe für mich mit Kugelschreiber einzukringeln. Im Zugabteil ist es eiskalt, aber angenehm ruhig. Mobiltelefone funktionieren im New Yorker Untergrund nicht, die Klimaanlage schon. Die von meiner Schulter baumelnde  I ♥NY Tasche ist mir ein bißchen peinlich. Doch konnte ich auf der Suche nach Souvenirs partout nicht an ihr vorbei gehen. So ist es eben: I LOVE NEW YORK. Es war nicht ganz Liebe auf den ersten Blick…  Fortsetzung folgt.

… mein Zimmer.

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Ich war noch niemals in New York (1)

Allein nach New York. Geplant war das so nicht. Zwei Tickets waren an einem Nachmittag im Februar spontan gebucht worden. Wenig später wurde eines davon wieder storniert. Und nun hatte ich die Wahl. Die Wahl zwischen ebenfalls zu Hause bleiben und alleine reisen. Nach einigem hin- und her habe ich mich für letzteres entscheiden. Leicht gefallen ist mir das nicht. Obwohl der Trip nach New York schon seit 20 Jahren ein Traum von mir ist. Ich fand viele Gründe, die gegen das Alleinreisen sprechen. Letztendlich habe ich es der Ermutigung von Freunden und deren hilfreichen Tipps zu verdanken, dass ich mich auf den Weg mache. Unter anderem bekam ich einen Hinweis auf schönes und bezahlbares Privatzimmer in guter Lage, direkt am Central Park bei einer Kölnerin, die seit 10 Jahren in New York lebt. Mit der Entscheidung für das Zimmer kam das Gefühl der Sicherheit. Ich habe eine Anlaufstelle. Eine Adresse in Manhattan, ein eigenes Zimmer mit Küchen- und Wohnzimmermitbenutzung. Home away from home.

In wenigen Tage geht es los. Inzwischen fühle ich mich gut vorbereitet. Sogar einen Facebook-Freund habe ich jetzt in New York. Visum und Kreditkarte liegen bereit. Der gültige Reisepass auch. Ich habe allerhand Informationen gesammelt, Reiseführer gelesen, Wissenswertes aus dem Internet ausgedruckt und mir eine „Maybe-Do-List“ zusammengestellt. Es sind viel mehr Punkte darauf notiert als in fünf Tagen „abzuhaken“ wären, soviel steht fest. Das ist allerdings auch gar nicht mein Ziel. Ich habe mir vorgenommen, mich täglich spontan zu entscheiden, je nach Lust, Laune, Energie und Wetterlage. Ich nehme mir nichts 100% fest vor – nicht einmal den Blick vom Empire State Building. Erst einmal will ich ankommen, am Flughafen, dann in meinem Zuhause auf Zeit. Wenn ich dort meinen Koffer abstelle, werde ich schon einiges von der Stadt gesehen haben. Alles weitere lasse ich auf mich zukommen.

Meine persönlichen NYC-Reiseführer: Links ein schmaler Band aus dem Jahr 1992 als ich zum ersten Mal die Idee hatte. In der Mitte ein „Max City Guide“ von 1997 als ich immer noch die Idee hatte. Unten: „Aus der Reihe Interessante Ausflugsziele heute: New York“ aus dem Jahr 1999 – kürzlich freundlicherweise überreicht durch die Autorin Verena Lettmayer. Und last but not least die Neuerwerbung: „New York Low Budget“ (2011), ein handliches Büchlein, das tatsächlich sehr viele sehr wertvolle Tipps enthält wie man mit wenig Geld viel erleben kann.

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I’m a real BOYfriend

Zum Geburtstag, vergangenen September, schenkte mir Herr S. die CD von BOY. „Mutual Friends“ war soeben erst erschienen. Den Song “Little Numbers” hatte ich zuvor schon einmal im Radio gehört und gleich gemocht. Und auch die anderen 11 Stücke erreichten beim ersten Hören sofort mein Herz. Im Februar traten Valeska Steiner und Sonja Glass bei der Abschluss-Gala der Berliner Filmfestspiele auf. Im Radio waren sie inzwischen häufig zu hören. Restlos begeistert war ich schließlich nach dem Konzert, das ich Anfang März in der Darmstädter Centralstation besucht habe. Live sind sie noch einmal mehr berauschend. Mit einem Auftritt in Hamburg ist gestern die aktuelle Deutschland-Tournee beendet worden. Jetzt geht es weiter nach London, Amsterdam, Paris und den kompletten Sommer hindurch spielen BOY auf diversen Festivals. Eine Termine-Übersicht gibt es  HIER. Vermutlich werden sie sich anschließend zurück ziehen, neue Stücke schreiben nach denen sich immer mehr Fans sehnen. Es wird spannend werden, den Weg des Deutsch-Schweizer-Duos zu verfolgen… Nachstehend mein Konzertbericht erschienen in der Offenbach Post vom Donnerstag, 8. März 2012.

Direkt ins Zentrum des Glücks
BOY in der Centralstation
Von Anke Steinfadt
 

Darmstadt – Am Ende möchte man am liebsten, dass es noch einmal von vorne losgeht. „Ihr wisst, wir haben nur zwölf Stücke“ sagt Valeska Steiner nach einer guten Stunde Konzertdauer, „aber wir können euch ‚Skin’ noch mal akustisch spielen…“ Das Publikum in der ausverkauften Darmstädter Centralstation nimmt das Angebot applaudierend an. Es ist von den beiden Damen, die sich BOY nennen, sichtlich begeistert. Die zweite im Bunde ist Sonja Glass. Sie ist Hamburgerin, Steiner kommt aus der Schweiz. Seit 2007 machen sie gemeinsam Musik, Songwriter-Pop, eingängig, aber nicht glatt. Mit dem Album „Mutual Friends“, das sie im vergangenen Jahr aufgenommen haben, sind sie zum Überraschungsnewcomer des Jahres avanciert. Neuerdings sind sie sogar in Werbesongs zu hören.

BOY sind hip. Das lässt sich auch am Publikum ablesen. Es ist, wenn nicht ausschließlich, so doch vorwiegend unter Dreißig. Die Nerd-Brillen-Dichte ist hoch und auch sonst zeigt man sich modebewusst. Die Vorgruppe „Husky“ aus Australien passt ins Bild und stimmt auf musikalisch unaufgeregte Weise auf die BOY-Frauen ein, die live mit zwei Schlagzeugern, einem Gitaristen und einen Keyboarder auftreten. Sonja Glass spielt Bass. Valeska Steiner steuert ihre bezaubernde Stimme bei, manchmal ist sie an der Gitarre. Die Ansagen sind fast ausschließlich ihre Sache. Mit leichtem schweizerischen Akzent spricht sie freundschaftlich mit den Fans und erzählt persönliche Anekdoten zur Entstehung der Songs.

Das bislang bekannteste, gute Laune produzierende „Little Numbers“ bildet den Abschluss des Konzerts. Höhepunkt jedoch sind die Zugaben, bei denen die beiden zu allem Talent auch noch unglaublich hübschen Musikerinnen mit ihren Instrumenten alleine auf die Bühne kommen. Bei dezentem Licht stellen sie auch einen neuen Song vor, den sie auf Tour geschrieben haben, über die Einsamkeit von Hotelzimmern. Dieser letzte Teil ist der intensivste des Abends. Denn so ist BOY besonders schön – reduziert, akustisch, auf die Stimme fokussiert. Das geht tief unter die Haut in den Bauch und von dort auf direktem Weg ins Glückszentrum des Gehirns.

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Von virtuellen Festspielen und dem wahren Leben

Seit knapp vierzehn Tagen bin ich zurück vom virtuellen Berlinale-Trip. Schön war’s, wenngleich ich das Geschehen weniger ausgiebig verfolgen konnte, als ich es mir vorgenommen hatte. Die meisten Fernsehberichte habe ich verpasst. Wenige Pressekonferenzen habe ich im Livestream gesehen. Und selten gelang es mir, den Berlinale-Teil des Tagesspiegels direkt am Erscheinungstag zu lesen. Es ist der Alltag, der einem bei so einem Vorhaben mit unerbittlicher Penetranz ständig einen Strich durch die Rechnung macht.

Das Leben ist ja kein dunkler Kinosaal in dem Ruhe und Konzentration herrscht, wo man nicht angesprochen wird und die Zeit auf wunderbare Weise still zu stehen scheint. Leben, das ist Geldverdienen, Wäschewaschen, Brote schmieren, Einkaufen, Hausaufgaben kontrollieren, Überweisungen tätigen et cetera. Plus Krisenmanagement. Die Autobatterie ersetzen, weil sie den Geist aufgibt, beispielsweise. Oder tagelang wegen eines Ersatzteils für die Spülmaschine herumgelefonieren. Solche Dinge, die sich nicht mal eben aufschieben lassen, bloß weil man gerade virtuell in Berlin ist.

Wie dem auch sei. Zumindest habe ich 2012 vom Festival mehr mitbekommen als in den Jahren zuvor.  Ich bin auf viele Filme gestoßen, die ich gerne sehen möchte; einige kommen im Laufe des Jahres ins Kino. Über den Regie-Bären an Christian Petzold für „Barbara“ habe ich mich sehr gefreut. Enttäuscht war ich darüber, dass Corinna Harfouch für ihre Darstellung in „Was bleibt“ nicht den Schauspielerinnen-Bären erhalten hat, den sie doch längst einmal verdient hätte. Viele der Preisvergaben waren schwer nachvollziehbar. Aber das ist ja meistens so in Berlin. Es werden die Filme prämiert mit denen die Kritiker am wenigsten gerechnet hätten.

Eine schöne Randnotiz gibt es: Der Blogeintrag „Berlinale im Landkreis Offenbach“ wurde auf der Facebook-Seite des Tagesspiegels lanciert. Am Tag des Postings kamen überdurchschnittlich viele Besucher vorbei und ich musste mich ganz schön ins Zeug legen, alle Gäste mit Sekt, Kaffee und kleinen Köstlichkeiten aus der Region zu bewirten. Die spontane Off-Berlinale-Party war mir ein großes Vergnügen.

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Die Couch-Berlinale ist eröffnet

Nicht auszudenken, wenn ich bei der Eröffnungsgala eines schönen Tages einmal selbst dabei sein könnte. Vermutlich würde ich dahinschmelzen. Ich bekomme ja schon vor dem Fernseher Gänsehaut. So wie gestern wieder. Nicht, dass die Veranstaltung an sich so überwältigend wäre, vielmehr ist es diese besondere Atmosphäre. Bei körperlicher Anwesenheit geht es einem wahrscheinlich durch Mark und Bein: Da sitzen Menschen aus aller Herren Länder, die Filme lieben und im Filmgeschäft ihre Lebensaufgabe gefunden haben. Und für die Dauer der Gala erscheint es so, als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt als bewegte Bilder, die Geschichten erzählen. Ich finde das schön.

Berlinale, das sind 18 Wettbewerbsfilme, allesamt Weltpremieren, die im Mitelpunnkt der Aufmerksamkeit stehen, und  insgesamt 395 Filme aus 67 Ländern, die in 866 öffentlichen Vorführungen gezeigt werden. Einfach gigantisch. Dank „Berlinale Programm“ und „Berlinale Journal“, die ich auf Anfrage tatsächlich zugeschickt bekam, sowie dem Tagesspiegel-Abo bin ich auf dem Laufenden. Natürlich gibt es das alles auch im Internet. Dazu kommen die TV-Berichterstattungen. Großartig ist die von den Organisatoren bis ins Detail zusammengetragene Übersicht „Berlinale im Fernsehen“, die man als PDF herunterladen kann. Ein weiteres Highlight: Die Pressekonferenzen zu den Wettbewerbsfilmen werden per Livestream übertragen. Zur Teilnahme geht es: HIER.

Ich werde die medialen und digitalen Möglichkeiten in der kommenden Woche voll und ganz ausschöpfen. Virtuell teilzunehmen ist zwar nicht dasselbe, aber besser als gar nichts. Im nächsten Jahr, ja im nächsten Jahr, da werde ich mich früher um den Berlinale-Trip kümmern und endlich wieder mit Haut und Haaren dabei sein. Jawohl! Und nun,  liebe (Film-)Freundinnen und -freunde bin ich im Geiste in Berlin. Das Mobiltelefon bleibt natürlich ausgeschaltet.

Immer wieder ist dieses Sofa Schauplatz von Großereignissen aller Art wie 2011 beispielsweise der Eurovision Song Contest und die Frauenfußball WM.

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Wem der Gong schlägt

Jeden Morgen, hauptsächlich in der Zeit von 7:40 Uhr bis 7:55 Uhr, zwei Grundschüler vom zwanghaften Trödeln abzuhalten, kostet viel Energie. Dazu noch frustrierend ist es, wenn sie trotz aller Bemühungen nicht rechtzeitig aus dem Haus kommen, um pünktlich um 8 Uhr in der Schule zu sein. Ergänzend muss ich erwähnen, dass die Entfernung zwischen Haustür und Pausenhof nicht einmal zwei Minuten beträgt. Mit Ausreden für zu spätes Kommen sieht es entsprechend mager aus. Aus diesem Grund löst die Vorstellung, die Kinder betreten den Klassenraum unpünktlich, bei mir auch sofort ein Schuldkomplex aus. Die Lehrerinnen wissen wo wir wohnen. Folglich muss ihr erster Gedanke sein: Mannomann, was ist das denn für ein Elternhaus, direkt gegenüber der Schule, aber nicht in der Lage, den Nachwuchs pünktlich dort erscheinen zu lassen.

Neulich habe ich jedoch beschlossen, mich von dieser Annahme nicht mehr in die auszehrende Rolle der Antreiberin drängen zu lassen, sondern den Spieß umzudrehen. Ich fragte mich, ob die Kinder seitens der Schule denn nicht zur Pünktlichkeit angehalten werden. Sicherlich würden sie weniger trödeln, wenn eine verspätete Ankunft Konsequenzen hätte. Erstmal eine Ermahnung, dann noch eine, darauf folgend eine Strafarbeit oder Nachsitzen. Das wären logische Konsequenzen. Wirkungsvoller als meine mit hochrotem Kopf vorgetragenen Parolen sicherlich.

Das neue Morgenprocedere sieht nun so aus, dass ich wie gewohnt die Kleider herauslege, Brote schmiere und Turnbeutel bereitlege. Darüber hinaus jedoch nur noch in regelmäßigen Abständen mit kräftiger Stimme die Uhrzeit verkünde. Kinder, es ist 7:48, 7:53, 7:58 Uhr. Wenn ich gut gelaunt bin, füge ich ab und an ein munteres „Beeilt euch!“ hinzu. Das Bellen habe ich mir abgewöhnt.

Was soll ich sagen? Es funktioniert. Das Getrödel hat zwar nicht vollends aufgehört, ist aber deutlich weniger geworden. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Ich weiß nicht, ob das Leben in Gestalt der Klassenlehrerinnen dies erledigt hat oder ob die Kinder in dem Moment ich als hysterische Feldherrin abdankte, Eigenverantwortung übernommen haben. Mag auch sein, dass bis zu 5-minütiges Zuspätkommen von den modernen Lehranstalten stillschweigend geduldet wird und ich mich viel zu lange Zeit umsonst verrückt gemacht habe. Fakt ist, dass die Tage jetzt entspannt beginnen.

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